Sonntag, 5. Februar 2012

Elisabeth - Das Musical in Basel

Uwe Kröger 1992 der Ur-Tod
Wie viele Male sassen Charlene und ich zu Hause vor dem Computer und sangen Songs wie "Der letzte Tanz", "Ich gehör nur mir" und "Die Schatten werden länger". Uwe Kröger und seine einmalige Darstellung des Todes nährten unsere Liebe zum Musical langanhaltend. Seine Stimme konnten wir beinahe perfekt imitieren, er war ein ganz grosses Vorbild für uns. Uwe Kröger spielte die Rolle des Todes in der Uraufführung 1992 in Wien und seither sind viele Sänger in seine Fussstapfen getreten, seine Leistung hingegen blieb in unseren Augen stets unerreicht.
Uwe Kröger 2010 wieder der Tod
Am 4. Februar war es dann soweit: Elisabeth - Das Musical kam nach Basel und wir hatten schon Monate zuvor Tickets in der ersten Reihe bestellt. Ebenfalls Monate zuvor hat sich Charlene intensiv mit der Besetzung dieser neuen Version auseinandergesetzt und fand ihren persönlichen Favoriten für die Rolle des Todes in Oliver Arno, der die Erstbesetzung für Kronprinz Rudolf ist. Ich freute mich einfach nur unendlich endlich wieder einmal ein so tolles Musical auf der Bühne zu sehen, aber natürlich fieberte ich voll mit meiner Schwester mit und so hofften wir bis kurz vor Showbeginn, dass doch Oliver den Tod singen würde.

Als sich dann um kurz nach 14.30 Uhr der wunderschöne, tiefblaue Vorhang hob und den Blick auf die Bühne frei gab, blieb uns kurz die Luft weg: das Bühnenbild war einfach umwerfend schön. Links oben befand sich ein mächtiger, schwarzer Flügel mit einem Totenkopf, dazu kam eine digitale Leinwand, die bewegliche Treppe, die vor allem vom Tod genutzt werden würde und viele andere Kleinigkeiten wie eine Art Laufband und andere funktionale Bühnenelemente, die in Kombination mit der Beleuchtung und dem Live(!) Orchester unter der Leitung von Hauke Wendt ein sagenhaftes Gesamtbild erschuf. Die erste Szene, die einen Gerichtshof  der Toten zeigt, wo sich Elisabeths Mörder Luigi Lucheni  Nacht für Nacht verantworten muss, zählt schon seit jeher zu unseren absoluten Lieblingsmomenten, weil die Musik einfach herrlich unheimlich ist. Seine Majestät  der Tod stellte sich auch gleich zu Anfang vor und ja, leider war es nicht Oliver Arno, sondern die Drittbesetzung Martin Pasching.
Martin Pasching mit Ann Cathrine Elverum ( hier als Frau Wolf)
Charlene und ich waren aber nur kurz enttäuscht, denn als Martin Pasching zu singen begann, war schnell klar, dass er eine echt tolle Stimme hat. Sogar unsere Mama überzeugte er, was echt einem Ritterschlag gleich kommt, da sie sogar an Uwe Kröger etwas auszusetzen hatte. Martin Pasching gelang es den Tod herrlich kalt, arrogant und gebieterisch darzustellen. Man nahm ihm total ab, dass er alles im Griff hat und weiss, dass er Elisabeth irgendwann zu Fassen kriegt.
Unsere "Elisabeth" wurde von Ann Christin Elverum gespielt, die wir zu Anfang wegen des ähnlichen Akzents aus Versehen für Annemieke van Dam mit ein paar zusätzlichen Kilos gehalten haben. Sobald sie aber zu singen anfing und ihre wandelbare und sehr ausdrucksstarke Stimme zum Besten gab, fanden wir sie trotz ihrer Sissi-untypischen ,leicht gedrungenen Gestalt" ganz fantastisch. Ihre 15-jährige Elisabeth wirkte zwar ein wenig zurückgeblieben anstatt  kindlich, aber je älter Elisabeth wurde, desto interessanter, schöner, strahlender und besser wurde auch Ann Christin Elverum. Charlene neben mir, war selig, denn sie entdeckte Oliver Arno in ganz verschiedenen Rollen, da er als Kronprinz Rudolf im ersten Teil noch nichts zu tun hatte. Mal war er ein Bediensteter am Kaiserlichen Hof, mal ein armer Bürger, dann ein Irrer, oder ein junger Ungar.
Kurosch Abbasi als Luigi Lucheni
Mir gefiel Kurosch Abbasi in der Rolle des Luigi Lucheni. Eigentlich hatten es mir nur seine süssen Zähne angetan - er hatte ganz leichte Hasenzähne -, aber er spielte den lauten, vulgären und gerade deshalb sehr unterhaltsamen Italiener unglaublich gut. Ausserdem verfügte er über eine tolle Bühnenpräsenz und eine kraftvolle, vielseitige Stimme. Völlig überrascht war ich von Betty Vermeulen, welche die an und für sich unspektakuläre Rolle der Erzherzogin Sophie und Mutter von Kaiser Franz Joseph darstellte. Was für eine wahnsinnig tolle Schauspielerin. Ihre Stimme war nicht berauschend, aber wie sie damit umging und die Erzherzogin gefühlsarm, herrisch und intrigant spielte, war einmalig.
Betty Vermeulen als Erzherzogin Sophie
 Kaiser Franz Jospeh wurde von Mathias Edenborn  ruhig und ein wenig farblos gesungen. Klar, das lag an seiner Rolle, Franz Joseph ist nun mal nicht die beste Rolle des Stücks. Mir gefiel er aber als verliebter und wegen der lieblosen Erziehung unsicherer, junger Ehemann, diesen Part nahm ich ihm wirklich ab. Er hatte eine warme, schöne und wunderbar Duett-fähige Stimme und  passte stimmlich fantastisch zu Ann Christin Elverum.
Mathias Edenborn mit Annemieke van Dam
Wann immer Martin Pasching, der Tod, auftrat, war ich begeistert von seiner Darstellung. Er war beileibe kein so androgyner und aufregender Tod wie Uwe Kröger und er sah auch  nicht so gut aus wie wir es uns vom Tod insgeheim immer vorstellten, aber er hatte eine ganz eigene neutrale Sinnlichkeit. Manchmal ging es  mit ihm einfach durch und dann berührte er Elisabeth fast schon unsittlich, was total überraschend kam und daher richtig toll war. Martin Paschings Tod war eine Entdeckung, denn ihm war es gelungen seine ganz eigene Version zu kreieren, er imitierte nicht bloss Uwe Kröger. Ganz lieblich war der junge Kronprinz Rudolf. Wie er seine Lieder mit mal piepsiger, mal schön klarer Sängerknaben-Stimme vortrug, war einfach nur goldig. Überhaupt lebte diese Aufführung von den vielen, kleinen Nebenrollen, die von allen SängerInnen so gespielt wurden, als wären sie die Hauptrollen. Jeder, aber wirklich jeder der Darsteller gab sein Bestes und war jede Sekunde absolut präsent und überzeugend. Ich liebte die Todesengel, die mich mit ihren schwarzen Flügeln an Vladimir Mineevs Rotbart aus Schwanensee erinnerten. Die Todesengel waren immer irgendwie da und veranschaulichten, dass der Tod zum Leben gehört.

Oliver Arno mit Uwe Kröger
Nach der Pause schlug dann endlich die Stunde von Oliver Arno. Ich hatte ihn mir nicht so oft auf YouTube angesehen, war also daher offen für alles. Für mich hätte es wirklich keinen besseren Kronprinzen Rudolf geben können als Oliver. Er spielte die schwierige Rolle des einsamen, vernachlässigten, depressiven Prinzen so überzeugend, dass er einem unendlich leid tat. Stellenweise hatte Oliver Arnos Rudolf sogar richige Ticks, bewegte seinen Kopf ruckartig und verkrampfte seine Hände, was die psychische Erkrankung umso glaubwürdiger erscheinen liess. Beim Lied" Wenn ich dein Spiegel wär" hatte ich Elisabeth am liebsten geschüttelt und gerufen:"Mensch, siehst du nicht, dass dein Sohn genau so verzweifelt ist wie du. Hilf ihm doch, der bringt sich sonst gleich um." Bei "Mayerling-Walzer" musste sich Oliver Arno richtig anstrengen, bevor er sich in den Kopf schiessen konnte. Da er grösser als Martin Pasching war, musste er bei der Choreographie so tief in die Knie, dass er einmal fast die Balance verloren hätte. Ein weiteres Highlight im zweiten Akt war das traurige Duett "Boote in der Nacht", wo Elisabeth und Franz Joseph merken, dass sie niemals mehr zu einander finden. Er liebt sie noch immer so sehr, aber sie hat mit diesem Leben schon abgeschlossen und hat einfach keinen Platz mehr für ihn. Ann Cathrin Elverum und Mathias Edenborn meisterten dieses Lied ganz fantastisch. Wieder einmal wurde ganz deutlich wie toll ihre beiden Stimmen harmonieren, wir hatten Tränen in den Augen. Danach ging es mit grossen Schritten dem Ende zu. Die Welt um Elisabeth  geht unter, es gibt kein zurück mehr. Lucheni erweist ihr wirklich einen Gefallen, als er sie in Genf an der Seepromenade mit einer Feile ersticht. Der finale Song:"Der Schleier fällt" wurde von und Martin Pasching wunderschön umgesetzt.
Ann Christin Elverum als schöne Elisabeth in ungarischer Tracht
Im Tod wird Elisabeth wieder so ungestüm und wild wie sie als junges Mädchen war und wirft sich dem Tod in die Arme. Uns gefiel enorm wie Martin Pasching den Tod in diesem Moment darstellte. Er wirkte so überwältigt davon, seine schwarze Möwe endlich in den Armen zu halten, dass er sich zunächst fast nicht getraute, sie wirklich in die Arme zu schliessen und als er es dann doch wagte, schloss er die Augen vor Glück und wirkte auf einmal vollständig. Bei Uwe Kröger hatte ich immer das Gefühl, dass er als Tod schlussendlich triumphierte, weil er sein Ziel, diese stolze und eigenwillige Frau endlich zu besitzen, erreicht hatte, aber bei Martin Paschings Tod hatten wir das Gefühl, dass er  Elisabeth wirklich die ganze Zeit über geliebt und sich nach ihr gesehnt hatte und sie genau so brauchte wie sie ihn. Das trieb Charlene und mir wieder die Tränen in die Augen, dieser Aspekt wurde wunderschön umgesetzt.

Wenn ihr Musicals mögt und die Möglichkeit habt, euch dieses mal anzusehen, dann müsst ihr das unbedingt tun. Michael Kunzes und Sylvester Levays Elisabeth ist ein Meisterwerk, wir werden noch Monate lang von diesem Erlebnis schwärmen.
Oliver Arno als Tod
by Désirée Lynch

Kommentare:

  1. oh! ich liebe das musical ♥ hab oliver arno vor einiger zeit ins düsseldorf als tod gesehen und er war toll! hach, da krieg ich gleich weiche knie^^

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  2. Ach, du Glückliche. Wir hätten ihn auch gerne als Tod gesehen, aber Martin Pasching hat's auch ganz toll gemacht. Wir haben gerade heute gesagt, dass "Elisabeth" wohl das beste deutschsprachige Musical ist. Wir wollen gleich wieder hin und es nochmal sehen...lg Désirée

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