Freitag, 23. November 2012

Rezension: Reste Klicken - Ein Facebook-Roman

Als ich den Roman "Reste Klicken - Ein Facebook-Roman" von Moritz Meschner in der Lüthy-Buchhandlung in Biel sah, kaufte ich es ganz spontan. Als Social Media-Junkie musste das ja fast die perfekte Lektüre sein. ^^ Es mutet ganz stark nach leichter Lektüre für zwischendurch an.
Ich muss sagen, dass ich noch bei keinem Buch jemals zuvor die Hauptperson so abgrundtief unsympathisch fand. Und das Schlimmste: Diese Figur heisst Moritz Meschner, was natürlich ganz stark darauf schliessen lässt, dass es sich um den Autor selbst handelt... Dies soll mich aber nicht davon abhalten, meine ehrliche Meinung über diesen Roman mit euch zu teilen. 
Moritz ist faul, nichtsnutzig, ewiger Student und Facebook-besessen. Grösser als seine Selbstüberschätzung ist eigentlich nur noch sein Selbstmitleid, an welchem er seine "Freunde" gerne teilhaben lässt. Seit Steffi, seine "grosse Liebe" ihn verlassen hat, versumpft er in seiner zugemüllten Wohnung. Den Weg nach draussen findet er lediglich ab und zu zusammen mit seinen Kumpels, mit denen er in alle möglichen Schlamassel gerät, bei denen ein übertriebener Konsum von Bier und Wodka O eine nicht all zu unbedeutende Rolle spielt. Ja, man kann sagen: Alkohol, die verzweifelte Jagd  nach neuen Facebook-Freunden und Selbstmitleid sind die drei Grundpfeiler seiner Existenz. 
Auch wenn Moritz Meschner in meinen Augen einer der verabscheuungswürdigsten und unsympathischsten Roman-Figuren aller Zeiten ist, war es dennoch ein Spass, diese Geschichte zu lesen. Denn ein bisschen hält es wohl den meisten Vertretern der Facebook-Generation einen Spiegel vor, auch wenn der grösste Teil von uns mittlerweile gelernt hat, dass nicht ALLES gepostet und mit sämtlichen "Freunden" geteilt werden muss und eine zu starke Vernetzung bei Peinlichkeiten doch ab und zu eher negative Folgen mit sich bringt, da keiner die Kontrolle darüber hat, welche Fotos tatsächlich den Weg ins Internet finden.
Moritz Meschner schreibt flüssig und witzig. Meine Highlights waren definit Moritz' Versuch, die neuen "Jesus-Tagebücher" als iPhone-Notiz zu schreiben oder sein Facebook-Chat mit Gott. Aber eigentlich reiht sich in diesem Buch ein Gag an den anderen und ja, es fesselte mich sogar, da ich irgendwann dann doch gerne wissen wollte, wie es mit Moritz, Steffi und "Arschfotzengesicht" (habe ich schon erwähnt, dass dieses Buch eventuell nicht ganz jugendfrei ist..?^^) weitergeht. 
Ich empfehle diesen Roman jedem, der bereits einen ausgebildeten Wortschatz hat und deshalb keine unschönen Ausdrücke aufschnappen könnte und Spass an lockerer, nicht all zu ansporuchsvoller, aber unterhaltsamer Lektüre hat oder sich mal wieder so richtig ärgern möchte. 

by Charlene Lynch

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