Montag, 3. September 2012

Rezension: Sunil Mann's Uferwechsel

Der Autor: Sunil Mann (ich stelle mir Vijay Kumar als 
Mischung aus ihm und...
Name: Vijay Kumar
Beruf: Privatdetektiv
Alter: 35
Markenzeichen: gerät beim Bearbeiten von Pipifax-Aufträgen an die ganz grossen Fälle und löst diese mit grossem (körperlichen) Einsatz, viel Engagement, viel Humor, viel Fantasie und der Hilfe seiner zwei besten Freunde, der transexuellen Prostituierten Miranda und dem Klatschreporter José...ach ja und er ist ein indischer Schweizer...^^
Schwächen: Amrut, ein hochprozentiger indischer Whisky und seine Nachwirkungen..., seine Kondition lässt ziemlich zu wünschen übrig, was nicht zu letzt auf die gute indische Küche seiner Mutter zurückzuführen ist. 

Vijay Kumar oder V.J. Kumar, wie es auf seinem Firmenschild heisst, kam 2010 in "Fangschuss" dank einer entlaufenen Katze einem unglaublichen und dekadenten Fall von Menschenjagd in den Schweizer Bergen auf die Spur und 2011 brachte ihn das Verschwinden einer spanischen Puztfrau in "Lichterfest" auf die Fährte eines handfesten Immobilienskandals.
Auch 2012 ist Vijays Leben noch genau so wild, wirr und aufregend wie zuvor. In "Uferwechsel" schleppt ihn José schon zu Beginn in aller Hergottsfrühe zu einem Tatort. Ein leicht bekleideter Junge wurde in einem Waldstück, nahe des Zürcher Flugplatzes steif gefroren und übel zugerichtet gefunden. Vijay und José sind sich sicher, dass es hierbei um einen  illegalen Einwanderers handeln muss, der aus der Radkappe eines der Flugzeuge gefallen ist.
...Marco Rima als Hank Hoover vor...beides sind Privatdetektive, 
beide haben es nicht leicht im Job und beide haben einen 
 leichten Hang zum Alkohol^^)

 Dies wäre die perfekte Story für José, der bisher erfolglos versucht hat, bei einer renommierten Zeitschrift unter zu kommen. Aber der eiskalte Staatsanwalt Tobler, der ebenfalls vor Ort ist, klaut Vijays Reporterfreund einfach die Story. (Oh, ich wollte schon bei seinem ersten Auftritt, dass er Dreck am Stecken hat, so ekelhaft fand ich ihn.) Wenig später erhält Vijay von einem anonymen Anrufer den Auftrag, den Mord an eben diesem jungen Mann aufzuklären. 
Hätte man sich ja denken können, wo ein Kumar ist, kann es sich nicht um einen simplen Unfall handeln. Der junge Mann, der eben nicht vom Himmel fiel, arbeitete im Strichermilieu und um an wichtige Informationen zu kommen, bleibt Vijay nichts anderes übrig als sich "passend" gekleidet in der Schwulenszene um zu sehen. Als wäre es nicht schon anstrengend genug, sich in enge, weisse Hosen zu quetschen, die einem vor etwa zehn Jahren mal gepasst haben, tritt auch Mama Kumar wieder auf den Plan: ihr "beta" MUSS endlich heiraten, aber die einst schüchterne Manju, die seine Mutter eigens für ihn aus einem indischen Dorf herbringen liess, ist in der Schweiz zu einer selbstbewussten Frau geworden und bringt ihn ordentlich durcheinander und zudem leidet Papa Kumar an einer  handfesten Depression
Robert Jo Carter , mein Lieblingstänzer bei den 
" Ballets Trockadero"  als Olga Supphozova ist
meine Miranda, die Haare stimmen vielleicht nicht,
  aber die Schönheit, das Charisma und die starken,
trittfesten Beine ...
...zum Glück gibt es noch seine gute Freundin Miranda, die Vijay auch in "Uferwechsel" mit Rat und Tat zur Seite steht und ihn dieses Mal sogar noch modisch beraten kann. Sollte aber alles nichts mehr nützen, gibt es da noch immer die berühmte Flasche Amrut...
Sunil Mann schreibt genau solche Bücher, wie ich sie schreiben möchte. Seine Kriminalromane oder auch kriminalistischen Gesellschaftsstudien sind spannend, aufregend, voller Wortwitz und lassen nie das richtige Mass an Gesellschaftskritik vermissen.
Sunil Mann, der Vijay Kumar als so etwas wie seinen kleinen Bruder bezeichnet, besitzt eine aussergewöhnliche Beobachtungsgabe und einen flüssigen, sehr farbigen, lebendigen Schreibstil. So manch ein anderer Bestsellerautor kann sich daran wie er Adjektive gekonnt und zahlreich einsetzt, ein Beispiel nehmen. 
Für mich gehört Sunil Mann neben Martin Suter zu meinen absoluten Lieblingsautoren, von denen ich mit Sicherheit sagen kann, dass wirklich JEDES Buch ein Meisterwerk ist. Als Schweizerin, die Zürich gut kennt, ist es zudem immer wahnsinnig toll, mit Vijay in seinem beinahe schrottreifen Wagen durch Zürich zu tuckern und immer neue Lokale kennen zu lernen. Wir haben uns nun vorgenommen seine drei Bücher noch einmal zu lesen und alle Orte und Lokale in eine Stadtkarte von Zürich einzutragen, um demnächst eine "Tour de Vijay Kumar" in Angriff zu nehmen. ^^
 In "Uferwechsel" zeigt Sunil Mann auf seine unnachahmliche, sarkastische Art und Weise wie wenig homosexuelle Mitmenschen trotz all der vordergründigen Fortschrittlichkeit, integriert sind. 
Eduardo Noriega wäre ein perfekter José
So kann es geschehen,  dass sich manche unter ihnen in ihrer Verzweiflung nicht "normal" zu sein, an zwielichtigen Hilfsorganisationen wie in diesem Fall an "Sanduhr" wenden. Im ersten Moment dachte ich nur: solch einen "Scheiss" kann es doch nicht wirklich geben und wenn dann nur im überdrehten Amerika, aber dem ist nicht so. Vorbilder für "Sanduhr" fand Sunil Mann sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland.
Wenn ihr spannende, intelligente und humorvolle Romane mit interessanten, sympathischen und lebensechten Charakteren sucht, die man nicht mehr aus der Hand legen kann, dann merkt euch den Namen: Sunil Mann.
Im Spätherbst 2013 wird voraussichtlich Vijay Kumars nächster Fall in die Buchläden kommen und darauf freue ich mich schon irrsinnig. 

by Désirée Lynch

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