Donnerstag, 13. September 2012

Rezension: Eric-Emmanuel Schmitt's "Als ich ein Kunstwerk war"

Als ich noch zur Schule ging, lieh mir meine damalige Französischlehrerin das Buch "Oscar et la dame en rose" aus. Das Buch war wunderschön, berührend und herrlich einfach zu lesen, obwohl Französisch nicht meine Muttersprache ist. Fortan gehörte der französische Autor Eric-Emmanuel Schmitt zu meinen Lieblingsautoren und ich erwarb weitere seiner Werke wie "Das Evangelium nach Pilatus" oder "Adolf H -Zwei Leben". Jedes seiner Bücher war toll, aber dennoch ging er bei meinem enormen Fantasybücherappetit plötzlich unter, bis ich ihn letzten Monat wiederentdeckt habe und gleich drei Bücher bestellt habe.
"Als ich ein Kunstwerk war" ist sein neuester Roman und ein Buch, das mich unerwartet heftig bewegt hat, da es trotz seines schrägen, leicht surrealistischen Touches unheimlich berührend und poetisch ist. Eric-Emmanuel Schmitt erzählt in "Als ich ein Kunstwerk war" die Geschichte von Tazio Firelli. Mit gerade mal 20 Jahren hat er schon drei Selbstmordversuche hinter sich. Immer war etwas schief gelaufen, als ob das Leben verzweifelt an ihm festhalten wollte. Schuld an seinem Lebensunwillen sind seine geradezu überirdisch schönen, älteren Zwillingsbrüder, in deren Schatten er sich emotional völlig abschottet. Die Liebe seiner Eltern spürt er nicht mehr, lässt sie gar nicht zu, so sehr ist er in seinem Selbstmitleid gefangen. Als er kurz vor seinem vierten Selbstmordversuch, begegnet er Zeus-Peter Lama, einem dekadenten, schwerreichen  Künstler. Dieser hält Tazio vom Selbstmord ab und schlägt ihm vor aus ihm etwas ganz Besonderes  zu machen: ein wahres Kunstwerk. Tazio willigt ein und tritt alle Rechte an seinem Körper an Zeus-Peter Lama ab. Tazio muss sterben, um als Kunstwerk auferstehen zu können. Sie täuschen seinen Tod vor, zerstören damit das Leben seiner Eltern und besuchen sogar Tazios eigene Beerdigung, Abstrakter geht es kaum.
Von diesem Moment an, beginnt Tazios Albtraum erst richtig. Völlig entstellt, zu einem Monster umoperiert, verliert er als "Adam zwei" das Recht auf seine Seele und dient der Menschheit fortan als Objekt. Todunglücklich vegetiert er vor sich hin, bis er eines Tages Fiona und ihrem blinden Vater begegnet. Sie erkennt, dass in dem gefeierten Kunstwerk immer noch ein fühlender Mensch steckt und gemeinsam beginnen sie einen Kampf gegen Zeus-Peter Lama und für Tazios Recht auf Freiheit und Liebe.
 
Nachdem ich dieses Buch zu Ende gelesen hatte, war ich sehr berührt. Eric-Emmanuel Schmitt ist für mich ein aussergewöhnlicher Schriftsteller, denn er schafft es schwierige Themen mit einer Leichtigkeit anzugehen, ohne ihnen die Wichtigkeit zu nehmen. Sein Tazio ist ein Jugendlicher wie er typisch ist für die heutige Zeit. Äusserlichkeit und Beliebtheit scheint das Wichtigste zu sein, egal zu welchem Preis. Sowohl Tazios Eltern als auch Fiona und ihr Vater lieben Tazio bedingungslos um seiner selbst willen. Durch den Nebel seines Selbstmitleides wusste er die Liebe seiner Eltern aber leider nicht zu schätzen, aber als er wahrhaftiges Leid empfindet, reift er menschlich an dieser Erfahrung und erkennt, dass das Aussehen nicht von Bedeutung ist. Fionas Vater liebt ihn wie einen Sohn, obwohl er ihn nicht sehen kann und Fiona, obwohl sie es tut. Der wohl berühmteste Spruch aus dem Buch "Der kleine Prinz" von Schmitt's Landsmann Antoine de Saint-Exupéry passt auch zu "Als ich ein Kunstwerk war" hervorragend: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

by Désirée Lynch

Kommentare:

  1. Sehr schöne Rezension. Jetzt habe ich Lust bekommen, dieses Buch zu lesen. Danke!

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  2. Du wirst es nicht bereuen, Eric-Emmaneul Schmitt ist einer der Besten.:-)

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  3. Eine exzellente Rezi!

    Ich bin ebenfalls ein großer Fan von Eric-Emmanuel Schmitt, und dieses Werk ist wirklich sehr ergreifend!

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