Dienstag, 5. Juni 2012

Filmreview: Snow White and the Huntsman

Nachdem "Spieglein Spieglein" an Ostern leider ein ziemlicher Flop war, waren wir extrem gespannt auf die zweite grosse Schneewittchen-Verfilmung dieses Jahres. Ich hatte keine riesigen Erwartungen an diesen Film. Ich war mir einfach sicher, dass er auf jeden Fall besser als "Spieglein Spieglein" sein würde (denn schlechter war ganz einfach nicht möglich, was ja schon mal eine gute Voraussetzung war). 
Ich muss gestehen, dass ich mir Kristen Stewart in der Rolle des Schneewittchens von Anfang an nicht vorstellen konnte. Schneewittchen ist in allen Variationen dieses Märchens immer eine ganz besonders schöne junge Frau. Und wenn ausgerechnet Kristen Stewart "die Schönste im ganzen Land" sein sollte, dann fragte ich mich, wie denn der Rest der jungen Damen aussehen sollte... Nein, das ist jetzt gemein, denn hässlich ist Kristen Stewart bestimmt nicht, aber dennoch keine Märchenprinzessin. Und wie man schon kurz nach der Bekanntgabe des Casts in Internetforen lesen konnte, war ich nicht die Einzige, die Kristen Stewart nicht wirklich als ernstzunehmende Konkurrenz für Charlize Theron sehen konnte, welche ja wirklich eine schöne, starke Frau und ein gestandener Hollywoodstar ist. 
Im Gegensatz zu anderen war ich auch von Chris Hemsworth als Jäger nicht wirklich angetan. Wie man vorab hörte, sollte in dieser Märchen-Adaption ja eine Art Liebe zwischen ihm und Schneewittchen entstehen... Hmmm... Ich wollte mich überraschen lassen. 
Der Trailer liess einen sehr düsteren, kampfbetonten Fantasyfilm vermuten. Grundsätzlich bin ich nicht wirklich ein Fan von zu viel Kampfszenen, aber wie man anhand des Trailer von "Spieglein Spieglein" sehen konnte, muss dieser ja  nicht wirlich viel über den Film selbst aussagen...
Was wirklich interessant war: NACH dem Film wusste niemand von uns, was sagen. Normalerweise sind wir ziemlich fix darin, einen Film zu zerreissen oder in den Himmel zu loben... Aber bei diesem Film waren wir verunsichert. Er war sicher nicht das, was wir erwartet hatten, aber irgendwie auch nicht so schlecht... Deshalb rissen Désirée und ich uns nicht gerade darum, die Review zu diesem Film zu schreiben. Aber ich nehme es nun auf mich.


Handlung
Diesmal wächst Schneewittchen eingesperrt in einem Turm des Schlosses auf, wohin sie von der bösen Königin Ravenna, gesteckt wurde, nachdem sie bereits in der Hochzeitsnacht den König ermordet hatte. Verwahrlost und verängstigt reift sie dort zu einer jungen und offenbar schönen Frau heran, was allerdings von Ravenna nicht bemerkt wird, bis ihr magischer Spiegel sie darüber aufklärt. Als sie Schneewittchen, welche wie alle anderen schönen, jungen Konkurrentinnen vernichtet werden soll ( indem sie ihnen den Lebensatem aussaugt, um damit ihre eigene Schönheit und Jugend zu erhalten), zu sich bringen lassen möchte, kann diese fliehen, indem diese die Schwäche von Ravennas Bruder ausnutzt und ihn überwältigt.
Mit Hilfe von Eric, dem Jäger, welcher den ganzen Film lang nur der "Huntsman" genannt wird, was bei Désirée und mir für ständiges Gelächter sorgte, weil es wie "Hansmän" klang, soll die entflohene Prinzessin wieder eingefangen werden. Eric, der aufgrund des Todes seiner Frau, sowieso keine Hoffnung mehr hat, lässt sich auf den Deal ein. Ravenna verspricht ihm im Gegenzug, seine verstorbene Frau wieder zum Leben zu erwecken. Der Jäger wechselt dann aber die Seite, nachdem er erfährt, dass Ravenna diese Macht gar nicht besitzt, und hilft Schneewittchen bei der Flucht. Allerdings weiss er nicht, dass es sich dabei um die Tochter des verstorbenen Königs handelt. 
Mit Hilfe der sieben Zwerge und später auch der Bevölkerung des Landes sowie William, ihrem Jugendfreund und Sohn des Dukes, machen sich die beiden auf, die Herrschaft der bösen Königin zu beenden und Schneewittchen ihrer wahren Bestimmung zuzuführen.

Wichtigste Rollen


Schneewittchen: Nein, Kristen Stewart ist in meinen Augen noch immer kein Schneewittchen, keine Prinzessin und zukünftige Königin und auch keine emanzipierte Kämpferin. Aber dennoch störte sie mich nicht so sehr, wie zuerst gedacht. Wenn einem erst mal aufgegangen ist, dass es sich in dieser Variante in Wahrheit nicht um die äussere, sondern um die innere Schönheit handelt, die ausschlaggebend ist, macht das ganze auch mehr Sinn. Und ehrlich gesagt, bin ich der Meinung, dass Kristen diese unschuldige, innere Schönheit durchaus gut verkörpert. Auch wenn sie nicht sehr ausdrucksstark ist, nimmt man ihr irgendwie ab, dass sie das Leben selbst, die reine allumfassende Liebe etc. verkörpern soll. Also so ging es mir auf jeden Fall.


Ravenna, die böse Königin: Wirklich grossartig verkörperte Charlize Theron Schneewittchens Gegenpart. eine Frau mit panischer Angst, alt und hässlich zu werden und damit ihre Macht zu verlieren, grausam und kalt und irgendwie doch menschlich.... Wie man in einem Rückblick erfährt, wurde sie von ihrer Mutter quasi mit diesem Fluch belegt, der sie dazu zwingt, Macht durch äussere Schönheit und Bösartigkeit zu erlangen. Dadurch hat man sogar irgendwie Mitleid mit ihr. Es scheint, als ob sie nie eine Wahl hatte und sie auch danach nicht hat. Ihr ganzes Tun und Handeln ist darauf ausgerichtet, zu überleben... Sie weiss, dass Schneewittchen sie vernichten kann, aber gleichzeitig ihre einzige Chance auf Leben ist, da nur IHR Herz sie ewig jung machen wird. Eine tolle Leistung!


Eric, the Huntsman: Ich bin nicht sicher, ob Désirée der selben Meinung ist, aber ich fand Chris Hemsworth in dieser Rolle phantastisch. Wirklich gut brachte er Erics Hoffnungslosigkeit und Trauer rüber und machte somit verständlich, warum er anfangs so gefühllos ist. Als er Schneewittchen an einer Stelle des Films alleine zurücklässt, weil er befürchtet, dass sie, wie alle, die ihm was bedeuteten, umkommt, wird zum 1. Mal klar, dass er sie liebt. Seine Liebe ist aber nicht, wie erwartet leidenschaftlich und dadurch egoistisch, sondern absolut selbstlos. Stillschweigend akzeptiert er William, der Schneewittchen ganz offensichtlich den Hof macht, weil er zu wissen glaubt, dass er nie gut genug für Schneewittchen sein wird. - Die Szene, als Schneewittchen in Williams Armen stirbt und Eric nur rastlos hin und her läuft, weil er nicht weiss, wie er damit umgehen soll, rührte mich sehr, ebenso sein Monolog an Schneewittchens "Sarg" und der unschuldige Kuss, der diese ohne sein Wissen wieder zum Leben erweckte... 


William: Von Sam Claflin waren wir alle nicht sehr begeistert, bis auf eine Szene. Allerdings denken wir, dass es mehr an der Rolle lag. Auch wenn oder gerade WEIL diese an und für sich relativ sympatisch ausgelegt war, wirkte er farblos. Ich war fasziniert davon, wie absolut er davon ausging, dass Schneewittchen für ihn bestimmt ist. Auch wenn seine Liebe zu Schneewittchen ebenfalls ziemlich rein ist, ist sie dennoch nicht so selbstlos, wie die von Eric, da er sich seiner sehr sicher ist. - Seinen besten Auftritt hatte Sam Claflin, als sich Ravenna in Williams Gestalt an Schneewittchen "ran macht". Hier  merkt man am veränderten Spiel, dass er doch ein ganz guter Schauspieler sein muss, da er auf einmal so viel interessanter und böser wirkt... Jaja, die Bad Boys halt... ^^ - Traurig auch, sein Versuch, Schneewittchen mit einem Kuss zum Leben zu erwecken, allerdings ohne Erfolg, ganz im Gegesatz zu Eric...


Positiv
Was diesen Film ausmacht, sind vor allem die wunderschönen Bilder. Ob düsterer, dunkler Wald oder zauberhafter Märchenwald, alles wirkt magisch, was mich sehr begeisterte. Vor allem. der eben erwähnte Märchenwald hatte es in sich... Für uns einer der schönsten Momente im Film, als Schneewittchen aufwacht und sich aufmacht, ihr Schicksal anzunehmen. Hier wird nämlich dargestellt, wer Schneewittchen wirklich ist.
Ebenfalls sehr gut gefallen haben mir die Kostüme, die wirklich passend waren sowie der Spiegel, der etwas wirklich Unheimliches ausstrahlte.
Die Idee, innere Schönheit äusserer Schönheit entgegen zu setzen, fand ich ebenfalls sehr interessant und gab dem Film mehr Tiefgang. Überhaupt fand ich die Idee hinter dem Film spannend und der Film gut aufgebaut. 
Der Moment, als Schneewittchen von Erics Kuss zum Leben erweckt wird und endlich mal sauber und ziemlich hübsch im weissen Kleid aus dem Schloss des Dukes tritt, um zur Bevölkerung zu sprechen, hatte fast etwas Biblisches... 
Auch die Zwerge überraschten mich positiv. Endlich mal keine Lächerlichkeiten.
Auch zu erwähnen ist die zauberhafte Musik dieses Films... Désirée hatte mich darüber informiert, dass es offenbar einen besonders schönen Soundtrack gebe, weswegen ich mehr darauf achtete, als bei anderen Filmen. Wirklich zauberhaft!


Negativ
Ab und zu hatte man das Gefühl, dass sich die Filmmacher etwas verrannten. Obwohl ich den Zauberwald wirklich wunderschön fand und die magische Szene in jedem anderen Film geliebt hätte (ok, ich liebte sie trotzdem!), war sie nicht so passend. Ich war entzückt von den Pilzen mit Augen, den Feen, animierten Häschen und Dachsen, moosbewachsenen Schlangen und Schildkröten, aber sie gehörten einfach nicht in diesen Film. Es war ganz einfach nicht nötig... Auch der grosse Auftritts des weissen Hirsches, der vom blinden Zwergenanführer mit "Er ist es. Niemand hat ihn je gesehen!" oder so ähnlich kommentiert wurde, sorgte für ein verwundertes "Hä?" Klar, sinngemäss war schon klar, was dieses Tier darstellen sollte. Der weisse Hirsch, ebenso wie das Einhorn, ist im Christentum ein Symbol für Jesus oder allgemein für den sterbenden und wiederauferstehenden Gott... Kurz, Schneewittchen wird durch diese Begegnung zur Auserwählten. Irgendwie schön, aber hier einfach nur verwirrend. Bereits durch Schneewittchens "Zähmung" des grossen Brückentrolles, alleine durch ihren Blick, liess die Zuschauer begreifen, das sie diese besonderen Kräfte hatte.


Fazit
Wer Fantasy-Filme im Allgemeinen oder Kristen Stewart im Besonderen mag, sollte sich diesen Film anschauen. Wenn man aber grundsätzlich auf realistische Problem-Filme steht, wird man an dieser Märchen-Adaption keine Freude haben. Ich persönlich mochte ihn... Und das Schneewittchen-Battle hat er definitiv gewonnen.


by Charlene Lynch

Kommentare:

  1. klingt nach einem tollen Film mit Schwächen - aber welcher Film hat die nicht ? ich kann mir Kristen Stewart auch nicht wirklich als Schneewittchen vorstellen, gut dass du erklärt hast, dass die innere Schönheit gemeint ist. ich glaube, ich werde mir den Film anschauen, sobald er auf DVD erhältlich ist =)

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  2. ich will den film unbedingt sehen. ich wollte zwar auch spieglein spieglein sehen, aber dieser hier zieht mich noch mehr an.
    :)

    alles liebe!

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  3. Ich habe beide Filme gesehen und mochte beide. "Spieglein, Spieglein" ist einfach leichter und witziger und "Snow White and the Huntsman" von düsterer Schönheit - die Schönheit beim ersten Film ist einfach leichter. Mit persönlich gefällt "Spiegelein, Spieglein" besser, weil er nicht so düster und lieblicher ist und trotzdem meiner Meinung nach viel Drama und Tiefgang hat. Aber jedem seine Meinung ;-)
    Ich war aber positiv beeindruckt von Kirsten Stewart. Ich hatte echt Mühe mit ihr, weil das, was man so von ihr hört sie sehr arrogant und unsympathisch macht. Aber sie ist eine gute Schauspielerin. Nur eines ist mir bei den vielen Nahaufnahmen negativ aufgefallen: Die Frau hat eine furchtbare Zahnstellung. Versteht mich nicht falsch, ich empfinde menschliche Makel als etwas durchaus Positives, v.a. bei Schauspielern, aber ich finde sie sollte etwas an ihren Zähnen machen.

    Mary Jane
    ahintofredness.blogspot.com

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  4. @Jessi: Also für dich als Fantasy-Angefressene wäre es bestimmt auch ein toller Film =) Und wie du sagst: es gibt kaum DEN perfekten Film. ;)
    @Michaela: Also wenn du "Spieglein Spieglein" verpasst hast, musst du den unbedingt sehen. Ich fand's halt spannend, zwei so völlig verschiedene Auslegungen von ein und dem selben Märchen zu sehen :D
    @Mary Jane: Ja, da sieht man es mal wieder. =) Die Wahrnehmung eines Filmes ist extrem subjektiv. Also als ich beide Trailer gesehen hatte, war ich auch total fixiert auf "Spieglein Spieglein", gerade wegen der Lieblichkeit und Frische. Und Lily Collins fand ich sooo hübsch!!! Aber mir war es dann doch zu viel Klamauk für ein Märchen. Ich lache gerne, gerade, wenn es so ein luftig, lockerer Film ist, aber für mich war's von allem etwas too much.
    Aber bei Kristens Zähnen gebe ich dir recht. Ich finde sie auch sehr dominant. Gerade WEIL sie den Mund immer leicht offen hat, springen einem die Beisserchen direkt ins Auge... Aber vielleicht ist das ihre kleine Revolution gegen das Hollywood-Schönheits-Ideal... ;) lg Charlene

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