Donnerstag, 1. März 2012

Rezension: Antje Babendererdes "Julischatten"

Als ich vor zwei Wochen mit Mama kurz bei Thalia vorbeischaute und wir gemeinsam die Jugendbuch-und Fantasy-Abteilung durchstöberten, flippte ich beinahe aus vor Freude als ich ENDLICH einen neuen Jugendroman einer meiner absoluten Lieblingsautorinnen Antje Babendererde auf der Regalablage liegen sah. Antje Babendererde schreibt über Indianer, über die Native Americans, oder vielmehr über das, was von ihnen übrig geblieben ist. Ihre Romane sind sehr oft im ärmsten Reservat der USA  Pine Ridge Reservat der Oglala Lakota in South Dakota angesiedelt. Antje Babendererde schreibt wunderschöne Geschichten, die von der Traurigkeit und Verzweiflung dieses einst so stolzen Volkes erzählen, aber nicht ohne etwas für das Herz einzuflechten. Meistens findet sich ein rothaariges Mädchen plötzlich im Pine Ridge Reservat wieder und verliebt sich in einen gutaussehenden, intelligenten Indianer-Jungen mit langem schwarzen Haaren, der gegen die Ungerechtigkeit und scheinbare Ausweglosigkeit rebelliert. Ihre Helden sind sehr oft traditionell eingestellt und streben einen guten Schulabschluss an, um später als Anwalt für ihr Volk kämpfen zu können.
So könnte Lukas Brave auf seinem Pferd Ghost ausgesehen haben
Antje Babendererdes neuestes Werk Julischatten wird aus der Sicht der siebzehnjährigen Simona erzählt. Sim war mit einer Hasenscharte geboren worden, die aber schon früh operativ geschlossen wurde. Dennoch ist sie unsicher, steht sie doch ständig im Schatten ihrere bildschönen, älteren Schwester Lena. Langsam geriet Sim auf die falsche Bahn, zog mit kriminellen Jugendlichen um die Häuser und begann viel zu viel Alkohol zu trinken. Ihren siebzehnten Geburtstag verbrachte sie wegen einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus. Ihre Eltern wussten sich nicht mehr anders zu helfen, als ihre Tochter zu ihrer Tante Jo nach South Dakota zu schicken. Diese hatte sich eins in einen Lakota verliebt und lebt seither im Pine Ridge Reservat. Da dort Alkohol strengstens verboten ist, hoffen Sims Eltern auf einen schnellen Entzug ihrer Tochter. Zunächst ist es für die rebellische, unangepasste, punkige Sim mit den roten Stachelhaaren schwierig sich anzupassen, aber ihre Freundschaft mit den beiden Indianerjungen Lukas und Jimi machen ihr das Eingewöhnen ziemlich leicht. Lukas Brave ist seit einem Autounfall als siebenjähriger blind und bildet mit seinem besten Freund Jimi little Wolf ein scheinbar untrennbares Gespann. Jimi ist ein wilder Draufgänger, der schon viele Mädchenherzen gebrochen hat, auch Sim ist nicht immun gegen seinen Charme und verliebt sich in ihn. Unglücklicherweise verliebt sich der freundliche, feinfühlige Lukas in Sim, was die ganze Sache kompliziert gestaltet. Aber auch Sim fühlt sich von Lukas angezogen und weiss schon bald nicht mehr, für wen ihr Herz schlägt. Da Alkohol und Drogen das Leben im Pine Ridge Reservat bestimmen, gerät Sim in mehrere gefährliche Situationen, aber stets heisst ihr Retter Lukas Brave. Auch Jimi little Wolf ist in Gefahr, denn er dealt schon seit Jahren für seine Pflegemutter mit Drogen und das FBI ist auf das Treiben im Reservat aufmerksam geworden.
Schöner wohnen, geht anders, aber im Reservat lebt es sich nicht besser
Wie immer hat mich Antje Babendererde restlos begeistert. Ihre Protagonisten sind jedesmal so gut gezeichnet und lebendig, dass ich mich vollkommen in der Geschichte verlieren konnte. Sie muss sich eingehend mit dem Alltag der Oglala Sioux auseinander gesetzt haben, um so realistisch über das triste Leben im Pine Ridge Reservat schreiben zu können. Sie selbst war im Sommer 2010 für zwei Monate dort, um für diesen Roman zu recherchieren. Als besonderen Genuss hat sie Liedtexte auf Lakota niedergeschrieben, die in der Geschichte von Lukas Brave gesungen werden. Dieser gefällt mir besonders gut. Lukas sang sie, um einen Büffel davon abzuhalten, ihn und Sim niederzutrampeln:

Tatanka wa ma'niye
Ate heyelo Ate heyelo
mako 'ce wan waste ci cupi ca
Yanpi ktelo
Ate heyelo Ate heyelo
Tatanka wa ma'niye
Ate heyelo Ate heyelo
canupa wan ci cupi ca
Yanipi ktelo
Ate heyelo Ate heyelo

"Tatanka" heisst "Büffel", das ist das einzige, was ich davon verstehe und dennoch ist es wunderschön und ich weiss genau, wie es gesungen klingt. 

So könnte es bei Bernadine im Trailer auch ausgesehen haben.
Wenn ihr gerne mehr über das Leben der Lakota im Pine Ridge Reservaterfahren wollt und gerne wunderschöne Liebesgeschichten lest, dann müsst ihr unbedingt Julischatten lesen und wenn ihr dann so richtig auf den Geschmack gekommen seid, dann könnt ihr euch mit ihren anderen Romanen eindecken, die da wären: Die verborgene Seite des Mondes, Lakota Moon, Der Gesang des Orcas, Libellensommer, Rainsong, Indigosommer.
Falls euch das Schicksal der Lakota im Pine Ridge Reservat auch so schockiert und berührt hat und ihr etwas für sie tun wollt, dann wendet euch an Isabel Stadnick von der Lakota Stiftung in Luzern. Sie ist eine ganz aussergewöhnliche und mutige Frau, die im Pine Ridge Reservat schon viel Gutes bewirken konnte. Jede noch so kleine Spende hilft Isabel Stadnick weiter. Wir werden die Hälfte unserer jährliche Weihnachtsspende der Lakota Stiftung zukommen lassen. Ein Volk, das so beeindruckend und stark war, das uns noch immer so träumen lassen kann, verdient es, seine Träume verwirklichen zu können. 


by Désirée Lynch


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