Sonntag, 2. Oktober 2011

Ballet Revoluciòn

Gestern Abend war es wieder so weit, wir sassen in der ersten Reihe bei Ballet Revoluciòn, DER Tanzsensation aus Kuba. Wir waren besonders gespannt auf diese Show, weil es erstens laut Beschreibung etwas Ähnliches wie "Rock the Ballet" sein würde, nur eben hoffentlich mit besseren Choreographien und abwechslungsreicherer Musik und zweitens weil unser im Jahr 2000 verstorbene Ballettlehrer Francisco Miranda (ach Paco genannt) auch aus Kuba stammte. Er hatte wunderschöne Armbewegungen und auch seine Handhaltung war für einen Tänzer weich und elegant, würde das bei diesen kubanischen Tänzern genau so sein? Ballet Revoluciòn gastierte in Zürich Örlikon, in der Maag Halle, wo wir schon "Bollywood - The Show" mehrere Male gesehen hatten. Es ist dort immer besonders toll, weil man in der ersten Reihe wirklich direkt vor der Bühne sitzt. Die kubanische Stimmung war schon merkbar als man vor der Bühne Platz nahm, denn es wurde Salsa-Musik gespielt. Charlenes Augen begannen schon vor Showbeginn zu leuchten, denn Paco hatte ihr wohl die Liebe zu dieser Art von Musik vererbt, ich kann damit nicht ganz so viel anfangen.

Umso schöner war dann, dass die Show mit einem klassischen Pas de trois eröffnet wurde. Vom ersten Augenblich an, fiel uns auf, dass beide Tänzer Pacos Hand- und Fingerhaltung hatten. Die Schulen in Kuba bringen wirklich ganz tolle Balletttänzer hervor. Das zweite Stück kündigte Tänzer Danilo Machado Meneses mit einer Trillerpfeiffe an. Diese Choreographie war modern und energetisch. Lianett Rodiguez Gonzales war der absolute Blickfang, sie tanzte immer in den schnellen, eher männlichen, kraftvollen Stücken mit und war dabei immer sehr weiblich und kokett. 

Im Programmheft waren die Tanzstücke leider nicht aufgeführt, so dass ich nicht mehr alle Choreographien zu benennen weiss. Toll war, dass sich die klassisch-orientierten  mit den modernen Stücken abwechselten. Auch die Truppe war sowohl stilmässig als auch optisch in zwei Lager geteilt. Ob Rastas, Riesenbusch, Dreadlocks oder kurz wie bei den klassischeren Tänzern, da war ganz viel dabei. Auffällig war, dass alle Tänzer und auch die Tänzerinnen zu unglaublichen Sprüngen und Drehungen fähig waren.

Aufregend war auch, dass die Musik live auf der Bühne gespielt wurde von der "Havannah All Star Band". Das hatte zur Folge, dass es ziemlich laut im Saal war und unsere Mutter und ich uns Taschentücher in die Ohren stopfen mussten, aber es war trotzdem ein Erlebnis.  Wie haben wir uns gefreut und begeistert mitgesungen als Shakiras "Hips don't lie" und später auch Jennifer Lopez' "On the floor" gespielt wurde. Der erste Teil der Show gefiel uns allen von der Stück- und Musikauswahl besser, es hatte einfach mehr Energie und Abwechslung. Im zweiten Teil hatte es eine Choreographie in der einige der Tänzer als komplette Nerds mit Brille und gewöhnungsbedürftigen Frisuren auf und versuchten wieder einmal Lianett Rodiguez Gonzales zu bezircen. Als sie sich dann fast schon Chippendale-mässig die Shirts auszogen, schmolz nicht nur Lianett, sondern auch fast das gesamte weibliche Publikum, ausser uns. Solche Einlagen finden wir einfach  nicht so toll, weil dann der Blick von der Technik der Tänzer weg auf die berufsbedingt durchtrainierten Körper gelenkt wird. Dies wurde dann so richtig deutlich als Moisés Leòn Noriega nur in ganz kurzen Shorts auf die Bühne kam und da schon geklatscht und gejohlt wurde. Wir sind alles andere als verklemmt, aber das fanden wir diesen fabelhaften Tänzern gegenüber nicht angebracht.

Beim Finale zu Ricky Martins "She bangs" tobte der ganze Saal und ziemlich schnell kam es sogar zu Standing Ovations. Es wurde leider nur eine vorgesehene Zugabe gebracht und dann war der Abend nach zwei Stunden vorbei. Klar sind die Tänzer nach zwei Stunden Hochleistungssport fix und fertig, aber andere Gruppen wie  Les Ballets Trockadero oder auch die Alvin Ailey Dance Company haben dem Publikum dennoch mehrere Zugaben geboten. Wir finden es einfach schöner, wenn man sich die Hände wund klatschen darf und von den Tänzern mit Zugaben belohnt wird. Aber Ballet Revoluciòn war auch so eine wirklich gelungene Show mit fantastischen, gutgeschulten, virtuosen Tänzern und Tänzerinnen. Unser Fazit: Absolut sehenswert!

 by Désirée Lynch

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